Was tun gegen Fußfehlstellungen?

Füße müssen enorm viel leisten. Jeder Mensch legt pro Jahr rund zwei Millionen Schritte zurück. Im ganzen Leben bewältigen wir zu Fuß rund 120.000 Kilometer – sprich: wir laufen quasi drei Mal um die Erde. Diese und weitere interessante Fakten erfuhren die Besucher beim Vortrag „Soweit die Füße tragen“ im Klinikum Landsberg.

Dr. Bernd Kottenhahn (Oberarzt der Abteilung für Chirurgie; zertifizierter Fußchirurg) und Dr. Markus Roidl (Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie; zertifizierter Fußchirurg) referierten in der Reihe „Donnerstags im Klinikum“ über Fußfehlstellungen und deren Behandlungsmöglichkeiten.

Neben der ständigen Bewegung der komplexen Fuß-Architektur (28 Knochen, 33 Gelenke und über 100 Bänder) kommt auch noch das Körpergewicht dazu, das die Füße (er-)tragen müssen, so Dr. Kottenhahn. Kein Wunder also, dass viele Menschen im Laufe ihres Lebens Schwierigkeiten mit den Füßen bekommen. Die häufigsten Probleme: Spreiz-, Senk- oder Knickfuß. Und auch am Sprunggelenk kommt es häufig zu schmerzhaften Veränderungen.

Zu wenig Bewegung oder enge Schuhe

Die Ursachen sind vielseitig: der natürliche Alterungsprozess, eine erbliche Vorbelastung (Fußform, lockeres Bindegewebe), das Tragen von hohen Absätzen oder engen Schuhen, Bewegungsarmut, Übergewicht sowie Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes und vieles mehr belasten die Füße extrem.

So sinkt beim Spreizfuß das Fußquergewölbe ab, die Mittelfußknochen w

eichen auseinander, der Fuß wird breiter und die ganze Belastung verlagert sich auf die Mittelfußköpfchen. Zudem gibt es weitere Fuß-Deformitäten wie den Hohlfuß, den Klumpfuß, den Hacken- oder den Sichelfuß.

Im Vortrag konzentrierten sich die beiden Ärzte aber besonders auf zwei Fehlstellungen: den Knick-Senkfuß und den Hallux Valgus („Großzehenballen“).

Dr. Markus Roidl erklärte, dass ein Knick-Senkfuß entstehen kann, wenn Sehnen oder Bänder in ihrer Funktion beeinträchtigt sind (nach einem Unfall, durch Verschleiß, einer Entzündung oder anderen Erkrankungen). Die Folgen sind Schmerzen am Fußinnenrand bei Belastung, eine Schwäche im Fuß, leichte Ermüdbarkeit und das Ablaufen der Schuhsohle am Innenrand. Die Betroffenen können oft nur kurze Wege zurücklegen. Wenn die Fehlstellung zu schmerzhaft wird, gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten: In der Physiotherapie wird versucht, die Fußmuskeln zu kräftigen. Auch Barfußlaufen kann helfen sowie das Tragen von Einlagen. Eine Operation (zum Beispiel Eingriffe an der Sehne) kommt infrage, wenn der Schmerz zu groß und das Wiederaufrichten des Fußes nötig ist, so Dr. Roidl.

Hallux Valgus: Im frühen Stadium können Einlagen helfen

Eine weitere bekannte Fuß-Deformation ist der Hallux Valgus. „Das ist die häufigste Fehlstellung“,. erklärte Dr. Kottenhahn. Der Mittelfußknochen der Großzehe weicht dabei zur Innenseite ab, der Großzeh „klappt“ nach außen. Oft plagen begleitende Probleme wie Hammerzehen mit Hühneraugen die Patienten zusätzlich.

Und was kann man dagegen unternehmen? Laut Dr. Kottenhahn kommt – wie bei den anderen Fehlstellungen auch – erst einmal eine konservative Therapie infrage. Es wird versucht, durch spezielle Einlagen das Quergewölbe aufzurichten. Auch kann eine Druckentlastung durch angepasste Schuhe oder Bandagen erreicht werden. Ist die Krankheit in einem frühen Stadium, kann man den Verlauf dadurch positiv beeinflussen.

Ist das Ganze schon weiter fortgeschritten und belastet den Patienten stark, können moderne Operations-Verfahren helfen. Ziele einer OP sind laut Dr. Kottenhahn die Reduzierung der Schmerzen, die Wiederherstellung des Gelenkspiels, eine korrekte Fußstellung, keine weiteren Operationen und kein erneutes Auftreten des Fußproblems..

Im Vortrag führte der Chirurg aus, wie eine solche Operation von statten geht – dabei kommt es darauf an, wie stark ausgeprägt die Fehlstellung ist. Mithilfe von kleinen Schrauben (die nicht wieder entfernt werden müssen) oder einer Versteifung eines nicht notwendigen Gelenkes kann die Fehlstellung begradigt werden.

Ausführliches Beratungsgespräch

Und wie genau sieht der Ablauf aus? An erster Stelle steht das ausführliche Beratungsgespräch in der Fußsprechstunde am Klinikum, so Dr. Kottenhahn. „Hierzu nehmen wir uns extra viel Zeit für die Patienten.“ Die Operation erfolgt dann meist stationär mit ein oder zwei Übernachtungen im Klinikum, bevor es nach Hause geht. Dort ist es aber besonders wichtig, den betroffenen Fuß hochzulagern, wenig zu laufen und lokal zu kühlen. Zur Schonung des verschobenen und verschraubten Knochens ist für etwa sechs bis acht Wochen ein Spezialschuh vonnöten. Auch auf Wundkontrollen durch den Hausarzt sowie weitere Vorstellungen in der Fußsprechstunde inklusive Röntgenkontrolle nach einigen Wochen müssen sich die Betroffenen einstellen.

Nach etwa sechs bis zehn Wochen ist es laut Dr. Kottenhahn möglich, in einem normalen Schuh zu laufen. „Am besten sollte der allerdings zunächst etwas größer sein“, so der Rat des Fußchirurgen. Für ein gutes Ergebnis sei nicht nur eine gelungene OP, sondern auch eine intensive physiotherapeutische Nachbehandlung notwendig. Grundsätzlich gilt: Je extremer die Fußveränderungen und je höher das Lebensalter, desto länger braucht der Fuß, bis er sozusagen wieder „rund läuft“. Dies könne manchmal auch mehrere Monate dauern.

 Fuß- und Handchirurgische Sprechstunde:
Oberarzt Dr. med. Bernd Kottenhahn
Facharzt Dr. med. Markus Roidl
Mittwoch: 8:30 – 12:30 Uhr
Terminvereinbarung über

Tel: 08191-333 1875
Fax: 08191-333 197 1070
E-Mail: chirurgie@klinikum-landsberg.de

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