Noch besser gerüstet für den Ernstfall – Kreißsaal-Simulationstraining der LMU im Klinikum

Kreißsaal-Simulationstraining

Fortbildung wird im in unserem Klinikum GROß geschrieben.

Aber SO groß, das ist selten. Der Corona-Pandemie zum Trotz gab es drei Tage lang ein gemeinsames Kreißsaal-Simulationstraining, an dem abteilungsübergreifend vier Berufsfelder im Haus beteiligt waren.

Gynäkologie, Pädiatrie, Anästhesie und Hebammen – Alle Bereiche haben sich Hand in Hand – und doch unter strengen Hygieneauflagen – für eine noch bessere Versorgung von Mutter und Kind weitergebildet.

Die Ludwig-Maximilians-Universität in München, genauer gesagt das dort verankerte „Institut für Notfallmedizin und Medizin-Management“ bietet die dreitägige Fortbildung an, die im Klinikum von den beiden Leitenden Oberärzten Dr. Johanna Klein (Gynäkologie) und Dr. Michael Steidl (Pädiatrie) organisiert worden war. In verschiedenen Team-Konstellationen konnte trainiert, geübt und Neues ausprobiert werden. Dafür waren sechs Trainerinnen und Trainer des „Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement“ mit einem ganzen LKW voller Equipment angereist. Vorträge in Hybrid und Simulation mit Videoaufzeichnung und Übertragung in einen anderen Raum. Auch das wollte technisch im laufenden Klinikum-Betrieb gestemmt werden, um möglichst vielen im Rahmen der Geburtshilfe tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Teilnahme zu ermöglichen.

Tag 1: Es sind die Soft-Skills – also die sogenannten „weichen“ Faktoren, die häufig über den vollen Erfolg einer medizinischen Maßnahme mitentscheiden. Was teile ich Wie meinem Gegenüber mit? Gebe ich alle Infos weiter? Setze ich bestimmte Dinge als bekannt voraus, die meine Kollegin/mein Kollege gar nicht kennen kann? Wie arbeitet unser Gehirn und was nimmt es wirklich wahr?

In kleinen Übungseinheiten kam Erstaunliches zutage: Zum Beispiel beim Test zur selektiven Wahrnehmung.  Ein kurzes Basketball-Video und ein einfacher Arbeitsauftrag: „Zählen Sie, wie oft die Spieler in Weiß den Ball berühren.“ – Die Pässe wurden meist richtig gezählt. – Doch kaum einer der Anwesenden hatte den schwarzen Gorilla bemerkt, der während des kurzen Videos durchs Bild lief. Kein Wunder: Die Aufmerksamkeit unseres Gehirns war bei den Ballberührungen und damit selektiv auf ein bestimmtes Ereignis ausgerichtet. Andere Dinge nehmen wir dann nicht wahr. Dieses Bewusstmachen hilft auch bei Notfallsituationen im Kreißsaal.

Es gilt zu klären, haben alle im Raum befindlichen Personen die gleiche Wahrnehmung; die gleiche Realität? Wie arbeitet das Team zusammen? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie organisieren wir uns?

Viele Beispiele, Videos und Bilder haben das am ersten Tag verdeutlicht. Außerdem hatten alle Teilnehmer Zeit, an verschiedenen Stationen essenzielle Maßnahmen der Neugeborenen-Versorgung durchzuspielen, wie Herzdruckmassage, Arbeiten mit der Larynxmaske, Beatmung oder auch Intubation. All das konnte in Ruhe trainiert und gefestigt werden.

An Tag 2 und 3 ging es dann ans eigentliche Kreißsaal-Simulationstraining, das sogenannte „Zwischenfall-Management“.

Eine Hebamme der LMU agierte als werdende Mutter mit Wehen. Sie hatte eine Art Känguru-Sack als Schwangerenbauch umgeschnallt; darin verbargen sich Kind, Plazenta und auch rote Tücher, um ggfs. starke Blutungen darzustellen. Außerdem hatte die „Patientin“ zwei fingierte Venenzugänge. Alles sollte so realistisch sein, wie möglich. – Deshalb fand das Simulationstraining auch in einem eigens mit Kamera und Tonübertragung präparierten Klinikum-Kreißsaal statt.
Keine der beteiligten Personen im Haus wusste, wie sich die jeweilige Situation weiter entwickeln würde. Insgesamt gab es 6 Szenarien (3x Geburtshilfe und 3x Neonatologie). Alle Szenarien mussten mit wechselnden Teammitgliedern bewältigt werden. Alle, die gerade nicht aktiv waren, konnten per Video das Kreißsaal-Geschehen mitverfolgen. Insgesamt 20 Kolleginnen und Kollegen stellten sich den Herausforderungen. Anschließend fand jeweils eine moderierte und strukturierte Nachbesprechung des Simulationstrainings statt, das von Mitarbeitern des „Instituts für Notfallmedizin und Medizin-Management“  geleitet wurde und auch zentraler Bestandteil der Weiterbildung ist. An dieser Nachbesprechung nahmen auch die Kolleginnen und Kollegen teil, die das jeweilige Szenario per Video-Übertragung mitverfolgt hatten.

Eine spannende Erfahrung für alle Beteiligten. Wo verstand man sich blind; wo wären bessere, detailliertere Absprachen nötig gewesen? Was nahm jeder wahr? – Wo war die gemeinsame, gleiche Wirklichkeit? Rückblickend drei interessante und eindringliche Tage, die allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben werden.

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