Wenn Sodbrennen zur Krankheit wird – Was hilft bei Refluxbeschwerden?
Fast jeder kennt das unangenehme Brennen hinter dem Brustbein nach einem üppigen Essen. Gelegentliches Sodbrennen ist meist harmlos. Treten die Beschwerden jedoch regelmäßig auf, kann eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) dahinterstecken. Schätzungen zufolge leidet etwa jeder fünfte Erwachsene zeitweise unter Refluxbeschwerden – mit deutlichen Auswirkungen auf Lebensqualität, Schlaf und Wohlbefinden.
Dr. med. Harald Tigges, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, erklärt, wann Reflux zur Erkrankung wird und welche Behandlungsmöglichkeiten helfen können.
Wie entsteht Reflux?
Zwischen Speiseröhre und Magen befindet sich ein Schließmuskel, der normalerweise verhindert, dass Magensäure zurück in die Speiseröhre gelangt. Funktioniert dieser Verschluss nicht mehr ausreichend oder steigt der Druck im Bauchraum an, kann saurer Mageninhalt aufsteigen. Die Schleimhaut der Speiseröhre ist gegen diese Säure nicht ausreichend geschützt.
Typische Beschwerden sind Sodbrennen, saures Aufstoßen und ein unangenehmer Geschmack im Mund. Manche Betroffene leiden zusätzlich unter chronischem Husten, Heiserkeit, Räusperzwang oder einem Druckgefühl hinter dem Brustbein. Nicht selten werden diese Beschwerden zunächst anderen Ursachen zugeschrieben.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wer häufiger als zweimal pro Woche unter Sodbrennen leidet oder dauerhaft Medikamente gegen die Beschwerden benötigt, sollte ärztlichen Rat einholen. Auch Schluckstörungen, ungewollter Gewichtsverlust, Blutungen oder starke Schmerzen sollten rasch abgeklärt werden.
Zur Diagnostik gehören je nach Beschwerden eine Magenspiegelung sowie spezielle Untersuchungen wie eine Langzeit-pH-Messung oder eine Druckmessung der Speiseröhre. Sie helfen festzustellen, ob tatsächlich krankhafter Reflux vorliegt und welche Behandlung sinnvoll ist.
Die konservative Behandlung
In vielen Fällen lässt sich Reflux zunächst ohne Operation gut behandeln. Oft helfen bereits Veränderungen des Lebensstils:
* Gewichtsreduktion bei Übergewicht
* Verzicht auf späte, sehr große Mahlzeiten
* Einschränkung von Alkohol und Nikotin
* Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper
* Vermeidung individuell unverträglicher Lebensmittel
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommen meist sogenannte Protonenpumpenhemmer (PPI) zum Einsatz. Sie reduzieren die Produktion von Magensäure und lindern die Beschwerden bei den meisten Patienten sehr zuverlässig. Gleichzeitig kann sich eine entzündete Speiseröhre wieder erholen.
Allerdings beseitigen diese Medikamente nicht die eigentliche Ursache des Refluxes – den unzureichenden Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre. Manche Patienten benötigen die Medikamente dauerhaft oder haben trotz Therapie weiterhin Beschwerden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nicht jeder Patient mit Reflux benötigt eine Operation. Sie kann jedoch eine sinnvolle Alternative sein, wenn:
* die Beschwerden trotz optimaler medikamentöser Behandlung fortbestehen,
* Medikamente zwar helfen, aber dauerhaft nicht eingenommen werden sollen oder können,
* größere Zwerchfellbrüche (Hiatushernien) vorliegen,
* immer wieder Mageninhalt bis in den Rachen oder die Atemwege aufsteigt oder
* die Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist.
Voraussetzung ist stets eine sorgfältige Diagnostik, damit die Beschwerden tatsächlich durch einen krankhaften Reflux verursacht werden.
Die laparoskopische Fundoplikatio – den natürlichen Verschluss wiederherstellen
Das Standardverfahren der operativen Behandlung ist die laparoskopische Antirefluxoperation, auch Fundoplikatio genannt. Dabei erfolgt der Eingriff in der Regel minimalinvasiv über mehrere kleine Hautschnitte.
Zunächst wird – falls vorhanden – ein Zwerchfellbruch verschlossen. Anschließend wird der obere Teil des Magens locker um den unteren Abschnitt der Speiseröhre gelegt und dort befestigt. Dadurch entsteht eine Art natürliche Manschette, die den Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre verstärkt. Nahrung kann weiterhin problemlos in den Magen gelangen, der Rückfluss von Magensäure wird jedoch deutlich erschwert.
Je nach individueller Situation kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz. Häufig wird eine vollständige (360°-)Fundoplikatio oder eine teilweise Fundoplikatio durchgeführt. Welche Methode am besten geeignet ist, entscheidet der Operateur anhand der Voruntersuchungen.
Welche Vorteile bietet die Operation?
Bei sorgfältig ausgewählten Patienten erzielt die laparoskopische Fundoplikatio sehr gute Langzeitergebnisse. Viele Betroffene berichten über eine deutliche oder vollständige Beschwerdefreiheit und können säurehemmende Medikamente reduzieren oder ganz absetzen.
Weitere Vorteile der minimalinvasiven Operation sind:
* kleine Hautschnitte,
* meist geringere Schmerzen nach der Operation,
* rasche Mobilisation,
* kurze Krankenhausaufenthalte und
* eine schnelle Rückkehr in den Alltag.
Gibt es Risiken?
Wie jeder operative Eingriff ist auch eine Fundoplikatio mit Risiken verbunden. In den ersten Wochen können Schluckbeschwerden auftreten, die sich meist wieder zurückbilden. Manche Patienten berichten über Blähungen oder ein erschwertes Aufstoßen. Schwerwiegende Komplikationen sind in erfahrenen Zentren selten, lassen sich jedoch nie vollständig ausschließen.
Deshalb ist eine sorgfältige Auswahl der Patienten entscheidend. Nicht jedes Sodbrennen profitiert von einer Operation, und nicht jede Operation führt automatisch zum gewünschten Erfolg.
Fazit
Sodbrennen ist weit mehr als eine lästige Alltagsbeschwerde. Hinter wiederkehrenden Symptomen kann eine gastroösophageale Refluxkrankheit stecken, die behandelt werden sollte. Neben Änderungen des Lebensstils und modernen Medikamenten bietet die laparoskopische Fundoplikatio für ausgewählte Patienten eine wirksame und langfristige Therapieoption. Entscheidend ist eine individuelle Beratung und sorgfältige Diagnostik, damit für jeden Betroffenen die passende Behandlung gefunden wird.
Dr. med. Harald Tigges
Chefarzt Klinik für Chirurgie
Allgemein- u. Viszeralchirurgie
Stellvertretender Ärztlicher Direktor
Klinikum Landsberg am Lech