Interview: Warum Früherkennung bei Brustkrebs so wichtig ist

Interview mit Dr Marissa Antón, Leitung BRustzentrum, Portrait, Klinikum Landsberg

Die Diagnose Brustkrebs löst eine Welle der Angst und Unsicherheit aus. Was nun? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Diese Fragen beschäftigen wohl die meisten Patientinnen. Im zertifizierten Brustzentrum am Klinikum Landsberg unter der Leitung von Dr. med. Marissa Antón werden zusammen mit einem großen Team individuelle therapeutische Konzepte für jede Frau erarbeitet.
Unter anderem darüber klärt Dr. Antón in ihrem Vortrag am 9. Juli, ab 19 Uhr in der Reihe „Donnerstags im Klinikum“ auf. Auch das Thema Früherkennung ist dabei ein wichtiger Aspekt.

In folgendem Interview stellen wir dazu fünf Fragen an Dr. Marissa Antón:

Frage: Wie wichtig ist Früherkennung im Zusammenhang mit Brustkrebs und welchen Unterschied kann sie für den weiteren Verlauf machen?

Antwort: Früherkennung ist extrem wichtig gerade beim Brustkrebs. So kann man Veränderungen, die einmal Krebs werden könnten, Vorstufen oder auch Tumoren rechtzeitig erkennen. So kann Krebs entweder verhindert oder so früh behandelt werden, dass er gut heilbar ist und keine aggressiven Therapien benötigt. Erfreulicherweise gibt es hier in Deutschland das kostenlose Mammographie-Screening, hier bekommen alle Frauen zwischen 50 und 75 alle zwei Jahre eine Einladung zu einer Röntgenuntersuchung der Brust. Nutzen Sie dies, denn hierbei fallen Befunde noch ganz klein auf!

Frage: Beim Vorsorge-Termin in der gynäkologischen Praxis wird den Frauen angeraten – neben Brustultraschalluntersuchungen und Mammographie-Screenings – in regelmäßigen Abständen die Brust selbst abzutasten, um eventuelle Auffälligkeiten festzustellen. Viele Frauen sind unsicher, ob sie Veränderungen an der Brust selbst richtig einschätzen können. Daher stellt sich die Frage, ob das für Laien so einfach ist?

Antwort: Niemand kennt die eigene Brust besser als man selbst. Und die Selbstuntersuchung ist gut lernbar! Wenn man in regelmäßigen Abständen seine Brust abtastet, weiß man mit der Zeit, wie sie sich anfühlt, welchen natürlichen Schwankungen das Gewebe evtl auch zyklusabhängig unterliegt, und trainiert sein Gespür. So kann man Veränderungen viel früher erkennen! Die meisten davon sind übrigens gutartig, trotzdem sollte alles beim Gynäkologen abgeklärt werden.

Frage: Haben Sie konkrete Tipps, wie die Selbstuntersuchung der Brust möglichst gut gelingt? Wie geht man dabei am besten vor?

Antwort: Am besten macht man die Selbstuntersuchung immer zum gleichen Zeitpunkt, alle vier Wochen, entweder morgens oder abends, am ersten oder letzten Tag des Monats, vor dem Spiegel oder unter der Dusche, Hauptsache, man vergisst sie nicht! Nehmen Sie sich etwas Zeit dafür, meist reichen aber 10min dafür völlig aus. Tasten Sie systematisch jede Brust in allen Bereichen ab, vergessen Sie nicht den Ausläufer zur Achselhöhle hin oder den Bereich hinter der Brustwarze, drücken Sie unterschiedlich stark, um sowohl oberflächliche als auch tiefere Veränderungen zu bemerken.

Frage: Woran ist zu erkennen, ob etwas wirklich nicht stimmt? Welche optischen oder spürbaren Veränderungen an der Brust sollten Frauen ernst nehmen und ärztlich abklären lassen? Jeder Körper ist ja anders …

Antwort: Genau, zur Selbstuntersuchung der Brust gehört auch immer der Blick in den Spiegel. Wenn Ihnen Falten, Verformungen, Einziehungen, Rötungen, Asymmetrien oder Hautveränderungen auffallen, zögern Sie nicht und kontaktieren Sie Ihren Frauenarzt.
Auch wenn Sie eine neue Verhärtung in der Brust tasten, lassen Sie dies am besten sofort ärztlich abklären.

Frage: Ein wichtiger Teil Ihres Vortrags ist auch die Prävention: Welche Faktoren könnten das persönliche Risiko beeinflussen? Spielen auch Lifestyle-Aspekte wie gesunde Ernährung oder körperliche Aktivität eine Rolle?

Antwort: Genau, auch jeder selbst kann vorsorgen und Krebs verhindern, das ist durch ausgewogene Ernährung mit mediterraner Kost, wenig Alkoholkonsum, Rauchverzicht und körperliche Aktivität erwiesenermaßen sehr gut möglich.