Unsere Notaufnahme hat eine neue Ärztliche Leiterin
Vom hohen Norden über Berlin nach Landsberg
Janna Schwab ist seit 1. September die neue Ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Klinikums Landsberg. Für diese Funktion hat die 41-Jährige der Hauptstadt Berlin den Rücken gekehrt. Warum ihr diese Entscheidung leicht fiel, wo sie in ihrer neuen Tätigkeit in Landsberg die Schwerpunkte setzen möchte und welche Themen ihr besonders am Herzen liegen, berichtet sie in unserem Interview:
Frage: Sie sind Fachärztin für Chirurgie und Orthopädie und sind medizinisch sehr breit aufgestellt. Welche beruflichen Stationen haben Sie bisher durchlaufen und wo liegen Ihre Wurzeln?
Janna Schwab: Zuletzt arbeitete ich in Berlin als Oberärztin in einer sehr großen interdisziplinären Notaufnahme mit Schwerpunkt auf internistische, urologische und viszeralchirurgische Patienten – zuvor hatte ich am Unfallklinikum Berlin meinen Facharzt gemacht. Die Prüfung zur Zusatzbezeichnung klinische Notfall- und Akutmedizin steht demnächst an. Außerdem bin ich aktuell in Weiterbildung, um auch die Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Palliativmedizin zu erlangen. Und ich studiere Gesundheitsökonomie im Fernstudium.
Geboren bin ich in Göttingen in Niedersachsen und aufgewachsen im Ammerland/Westerstede, also im hohen Norden. Zum Studium ging ich nach Berlin und war danach in ganz Deutschland unterwegs, unter anderem im Herzzentrum Brandenburg, in Ravensburg und in der Allgemein- und Gefäßchirurgie in Göttingen. Seit 2019 bin ich auch aktiv als Notärztin tätig. Es war mir wichtig, viele Häuser zu sehen und zu erfahren, wie an den unterschiedlichen Standorten gearbeitet wird.
Frage: All diese Erfahrungen bringen sie jetzt als Ärztliche Leiterin der ZNA im Klinikum Landsberg mit. Warum ist die Arbeit in einer Notaufnahme so wertvoll für Sie?
Schwab: Hier kommt ja alles medizinisch Relevante zusammen. Irgendwann hatte ich festgestellt, dass ich zwar sehr gerne operiere, dass mir aber die Arbeit in der Notaufnahme direkt am Patienten mehr gibt. Deswegen habe ich mich auf diesen Bereich spezialisiert und bin in die Akutversorgung gegangen. In den großen Kliniken in Berlin bin ich durch eine sehr gute Schule gegangen.
Frage: Und warum nun Landsberg? Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?
Schwab: Ich merkte, dass ich mich in Berlin nicht mehr wohlfühlte, wollte in Richtung Berge, denn ich liebe die Natur. Dann kam die Chance, nach Landsberg zu gehen – die Landschaft und die Stadt sind wunderschön. Vor allem aber hat mir das Klinikum Landsberg sehr gut gefallen – ich bin begeistert von der Stimmung und den sehr netten Kolleginnen und Kollegen hier.
Besonders reizvoll finde ich, dass man hier viele Gestaltungsmöglichkeiten hat, auch wegen des perspektivischen Funktionsneubaus. Außerdem mag ich kleine Notaufnahmen, in denen man ein großes Spektrum abdeckt. Das ist eine Herausforderung – aber mit diesem tollen, motivierten Team lässt sich das super gestalten. Es herrscht ein sehr gutes Miteinander zwischen pflegerischem und ärztlichem Team, und wir erhalten große Unterstützung für unsere Ideen, die im Endeffekt natürlich den Patientinnen und Patienten zugutekommen.
Frage: Wo sehen Sie in unserer ZNA noch Optimierungs-Potential und was läuft Ihrer Meinung nach bereits sehr gut?
Schwab: Was hervorragend funktioniert, ist neben der Patientenversorgung die Kommunikation. Außerdem haben wir ein sehr gut geschultes Team. Es besteht noch Entwicklungs- und Gestaltungsspielerraum, zum Beispiel bei den Arbeitsabläufen und den Raumkonzepten, worüber wir uns gemeinsam sehr viele Gedanken machen. Gerade die begrenzten räumlichen Kapazitäten sind eine Herausforderung. Dadurch kommt es auch mal zu längeren Wartezeiten.
Frage: Die Wartezeiten sind ein sehr emotionales Thema …
Schwab: Ja, verständlicherweise – denn jeder Patient, der Schmerzen hat, möchte versorgt werden. Nach unserem Triage-System wird jedoch nach Dringlichkeitsstufen entschieden, sodass Patienten mit lebensbedrohlichen Verletzungen oder mit sehr ernsten Symptomen sofort behandelt werden müssen. Auch leichtere Verletzungen nehmen wir natürlich ernst. Aber dann müssen eventuell längere Wartezeiten in Kauf genommen werden. Prinzipiell sorgen wir dafür, dass jeder Hilfe bekommt, können allerdings nicht alle Probleme beheben – oft sind Folgebehandlungen beim Facharzt nötig. Wir bemühen uns aber sehr, dass sich die Patientin oder der Patient besser fühlt – das ist eine Herzensangelegenheit des ZNA-Teams.
Frage: Welche konkreten Aufgaben gehören zu Ihrer Funktion als Ärztliche Leiterin der Notaufnahme?
Schwab: Ich bin für die strukturelle Organisation und die Personalführung zuständig sowie für Entscheidungen, die außerhalb der medizinischen Versorgung liegen: Welche Medikamente müssen wir anschaffen, welche sind noch in unserem Vorrat, was sind unsere Standards? Das und vieles mehr muss – immer in Absprache mit dem Team der Pflege – geklärt werden. Die Schnittstellenkoordination fällt ebenfalls in meinen Bereich, die enge Kommunikation mit den Leitungen der Abteilungen und den Chefärzten sowie die Optimierung der Abläufe. Auch die Themen Kritik und Lob gehören gemeinsam mit unserem Qualitäts- und Beschwerdemanagement zu meinen Aufgaben. Außerdem muss ich darauf achten, dass unser Personal sehr regelmäßig geschult wird, die Weiterbildung ist ein ganz wichtiger Punkt.
Frage: Bleibt Ihnen bei all dem selbst noch Zeit für die Arbeit am Patienten?
Schwab: Natürlich ist mir die Patientenversorgung nach wir vor sehr wichtig, das möchte ich auf keinen Fall missen. Wir haben aber ein hervorragendes ärztliches und pflegerisches Personal bei uns in der Notaufnahme, das sich in erster Linie um die Patienten kümmert.
Frage: In der ZNA weiß man ja morgens nie, was der Tag bringt. Was müssen Notfallmediziner mitbringen, sowohl in fachlicher, als auch in menschlicher Hinsicht?
Schwab: Viele Kolleginnen und Kollegen sagen, dass genau dieses Unvorhersehbare das Spannende an der Notaufnahme ist. Man muss Idealismus und Stress-Resilienz mitbringen. Regelmäßige Teamschulungen sind wichtig, um gemeinsam in unterschiedlichen Situationen richtig handeln zu können, ein Rad muss ins andere greifen. Der allerwichtigste Punkt ist deshalb die Teamfähigkeit. In der Notaufnahme muss man für alles gewappnet sein. Das oberste Ziel muss immer sein, die Patienten sehr gut zu versorgen.
Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft und wo sehen Sie die Zukunft unserer Zentralen Notaufnahme hier am Standort Landsberg?
Schwab: Ich freue mich sehr auf den geplanten Neubau. Dann können wir unser Spektrum deutlich vergrößern, zum Beispiel durch das Herzkatheterlabor und vermehrte Schockraumversorgung. Der Standort Landsberg ist sehr wichtig – auch, weil größere Kliniken wie Augsburg und München oft überlastet sind. Und: Für die Patienten ist ein heimatnaher Grund- und Regelversorger aus vielen Gründen notwendig. Sie können vor Ort von ihren Angehörigen besucht werden, es hat etwas Persönliches, am eigenen Wohnort versorgt zu werden, sich hier gut aufgehoben zu fühlen. Es geht also auch um den sozialen Aspekt.
Frage: Zum Schluss noch etwas Persönliches: Wer sind Sie, wenn Sie gerade keine Ärztin sind? Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich zur Arbeit?
Schwab: Ich bin gerne in der Natur, wandere in den Bergen, fahre Ski. Meine Pferde ziehen jetzt auch nach Landsberg – die fressen unglaublich viel Zeit, machen mir aber große Freude. Sie sind mein ganzer Stolz und quasi meine Familie, wenn ich weit weg von meiner echten Familie bin, die ja im hohen Norden lebt. Ansonsten treffe ich mich abends gerne mit Kolleginnen und Kollegen, was ja auch wichtig für unseren Teamgeist ist.
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