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13.12.2016

Bluttransfusionen: So viel wie nötig, so wenig wie möglich

In der Medizin werden Blutübertragungen seit mehr als 100 Jahren praktiziert. Doch Studien zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Fremdbluttransfusionen und einem schlechteren Krankheitsverlauf gibt. Zurückhaltung ist also vernünftig, um die Patientensicherheit zu gewährleisten.

Der Wiener Arzt Karl Landsteiner entdeckte das Blutgruppensystem

Im Jahr 1901 entdeckte Der Wiener Arzt Karl Landsteiner das ABO-Blutgruppensystem. Damit legte er den Grundstein für erfolgreiche Bluttransfusionen. Meist werden Konzentrate aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten) übertragen. In Deutschland sind das vier bis fünf Millionen Erythrozyten-Konzentrate (EK) pro Jahr. Rote Blutkörperchen transportieren im Körper den Sauerstoff zu den Organen, wo er an die Zellen abgegeben wird. Seltener werden auch Blutplättchen (Thrombozyten) oder Blutplasma (flüssiger Anteil des Blutes ohne Blutkörperchen) transfundiert.

Die zwei wesentlichen Gründe zur Gabe von Blutkomponenten sind akuter Blutverlust, z. B. bei Verletzungen, und chronische Blutkrankheiten, bei denen zu wenig Blut gebildet wird. Bluttransfusionen können hier Leben retten. Doch aktuelle Studien zeigen auch, dass es erhebliche Risiken gibt, wie übertragbare Infektionen. Jede Blutspende wird heutzutage auf HIV, Hepatitis A, B und C getestet. Das Restrisiko, sich mit HIV oder Hepatitis C zu infizieren, schätzen Experten aktuell auf kleiner 1:1 Million, das Risiko, sich mit Hepatitis B zu infizieren, auf 1:500.000.

Behandlungskonzept, „Patient Blood Management“ (PBM)

Darüber hinaus gibt es jedoch Risiken, die das Immunsystem beeinflussen. Auch gibt es Hinweise, dass bei Krebserkrankungen Fremdblut das Tumorwachstum fördern kann. Aus diesem Grund wurde das sogenannte „Patient Blood Management (PBM)“ entwickelt, ein Behandlungskonzept, um Blutarmut (Anämie), Blutverlust und Bluttransfusionen zu verringern und zu vermeiden. Die drei wesentlichen Ziele des PBM sind:

  • Blutarmut vor einer geplanten Operation zu diagnostizieren und zu therapieren,
  • Blutverlust zu minimieren und
  • individuell die Anämie-Toleranz des Patienten auszunutzen und Transfusionen zu vermeiden.

Dafür müssen Hausarzt, Operateur, Anästhesist und andere Fachärzte zusammenarbeiten. Idealerweise sollte sich der Patient vier Wochen vor einer geplanten OP untersuchen lassen. Ist der Grund einer Blutarmut zum Beispiel Eisenmangel, lässt sich dies mit geeigneten Eisenpräparaten gut therapieren. Damit werden die Anzahl der roten Blutkörperchen und der in ihnen enthaltene rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) angehoben und die Wahrscheinlichkeit einer späteren Transfusion reduziert. In seltenen Fällen sollte eine geplante Operation auch verschoben werden, um eine bessere Ausgangssituation zu schaffen.

Ärzte halten Blutverlust während einer OP so gering wie möglich

Um den Blutverlust während einer Operation so gering wie möglich zu halten, gibt es spezielle Techniken wie die minimal-invasive Chirurgie. Anästhesisten können die Blutgerinnung mit entsprechenden Präparaten optimieren. Das Aufrechterhalten der normalen Körpertemperatur und normaler Kreislaufverhältnisse kann zudem die Gerinnung stabil halten. Außerdem haben Ärzte bei hohem Blutverlust während bestimmter Operationen die Möglichkeit, das patienteneigene Blut aufzufangen, wieder aufzubereiten und zu „re-transfundieren“. Man spricht hier von „maschineller Autotransfusion“.

Kennt der Anästhesist die Vorerkrankungen des Patienten, kann er zudem abschätzen, wie viel Blutverlust der Patient tolerieren kann. Kreislaufgesunde Patienten haben deutlich höhere „Reserven“, die oftmals Transfusionen überflüssig machen.

Rückgang der Transfusionen um 44 Prozent am Klinikum Landsberg

Mit all diesen Maßnahmen haben die Ärzte am Klinikum Landsberg in den letzten Jahren den Bedarf an Transfusionen deutlich reduziert. Im Vergleich zum Jahr  2009 haben sie im Jahr 2015 ungefähr 44 Prozent weniger Erythrozyten-Konzentrate gegeben.

Freiwillige gesucht!

Die Kliniken in Bayern erhalten die Konzentrate über den Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Dieser ist auf freiwillige Blutspender angewiesen. Blut spenden können gesunde Menschen vom 18. bis zum vollendeten 72. Lebensjahr, deren Körpergewicht mindestens 50 Kilogramm beträgt.


 


 

Autor: Chefarzt Dr. med. Hubert Meyrl, Facharzt für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Notfallmedizin

Herr Dr. Hubert Meyrl leitet seit 10 Jahren die Abteilung für Anaesthesiologie in unserem Klinikum und leistete in dieser Zeit seinen Beitrag in der Ausweitung der Leistungszahlen von über 50%. Als dienstältester Chefarzt bekleidet er auch das Amt des Ärztlichen Direktors.


 

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