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04.03.2020

Krankhaftes Übergewicht: Unterschätzte Gefahr

Krankhaftes Übergewicht steht am heutigen Welt-Adipositas Tag, 4. März, im Mittelpunkt. Adipositas bedeutet nicht nur, ein paar Kilos zuviel auf die Waage zu bringen. Adipositas ist viel mehr eine ernst zu nehmende Erkrankung.

Übergewicht und Adipositas stehen weltweit an fünfter Stelle, wenn es um das Sterblichkeitsrisiko geht.

Dr. Harald Tigges, Chefarzt für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Klinikum Landsberg und Leiter des Adipositas-Zentrums Oberbayern, möchte gemeinsam mit Michael Kießling, Mitglied des Bundestages, das Thema Adipositas mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Beide wollen aufmerksam machen auf die große unerkannte Gefahr, die von krankhaftem Übergewicht ausgeht. Hierzu haben wir Dr. Tigges und Herrn Kießling interviewt:

Dr. Tigges, was genau ist Adipositas? Ab wann spricht man von Adipositas und nicht mehr nur von Übergewicht?

Adipositas ist eine chronische Erkrankung. Sie geht mit einer Vermehrung des Körperfetts einher. Dieses krankhafte Übergewicht kann durch eine Stoffwechselstörung kommen, ernährungs- oder auch genetisch bedingt sein. Die Maßeinheit zur Gewichtsklasse ist der bekannte Body-Mass-Index. Im Internet gibt es dazu diverse Rechner. Von krankhafter Adipositas spricht man von einem BMI größer/gleich 40kg/m².
Wichtig ist auch das Taille-Hüft-Verhältnis. Es gibt Aufschluss über den Figurentyp. Je mehr Fett am Bauch sitzt, umso höher ist z.B. das Risiko für Herzkreislauferkrankungen.

Herr Kießling, als Mitglied des Bundestages: Was kann die Politik tun, um Adipositas mehr in den Focus zu rücken?

Die Politik bemüht sich um mehr Akzeptanz und weniger Stigmatisierung der Betroffenen. Gleichzeitig will man schon die Kinder und Jugendlichen für das Thema sensibilisieren; so wird in Kindertagesstätten und Schulen mehr Sport angeboten und das Essen in Schulkantinen soll gesünder werden. Generell muss ein gesunder Lebensstil über alle Generationen hinweg gefördert werden. Dafür gibt es Fortbildungs- und Aufklärungsveranstaltungen für Kita-Personal, Schulen, Betriebe und Senioreneinrichtungen.

Dr. Tigges, sie sind Chef des Adipositas-Zentrums Oberbayern am Klinikum Landsberg. Was sind die größten Gefahren bei Adipositas?

Krankhaftes Übergewicht begünstigt unter anderem Diabetes mellitus Typ II, Bluthochdruck und Störungen der Regelblutung und Fruchtbarkeit bei Frauen. Es wächst auch die Gefahr von bösartigen Tumoren, z.B. Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Tumore der Speiseröhre, der Leber und des Dickdarms. Außerdem entstehen nicht selten Depressionen, da stark übergewichtige Patienten durch ihr Äußeres stigmatisiert sind. Es folgt oft die Berufsunfähigkeit, welche nicht selten in Arbeitslosigkeit oder Frühberentung mündet.

Herr Kießling, noch immer ist krankhaftes Übergewicht in den Köpfen der Menschen mit Stigmatisierung verbunden, wird nicht als Krankheit gesehen. Oft heißt es: „Der soll halt weniger essen." Was müsste sich aus politischer Sicht ändern, damit Adipositas tatsächlich auch als Krankheit gesehen wird?

Wichtig ist, Adipositas als Krankheit anzuerkennen. Daran wird gegenwärtig auf Bundesebene gearbeitet. Denn Adipositas und die damit verbundenen Folgekrankheiten sind für das Gesundheitssystem eine erhebliche Herausforderung. Deshalb wurden seitens der Bundesministerien diverse Projekte initiiert. Ein Beispiel hierfür ist die Prävention bei Diabetes. Im Fokus steht dabei die nationale Diabetes-Strategie, welche aktuell erarbeitet und noch vor der Sommerpause verabschiedet werden soll.

Dr. Tigges, welches sind gegenwärtig die gängigen Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas? Gibt es auch neue Behandlungsansätze?

Es wird immer ein Gesamtkonzept erarbeitet. Zunächst gehören eine Ess- und Ernährungsumstellung dazu; Kalorien werden reduziert. Auch eine Verhaltens- und Bewegungstherapie müssen integriert werden. Durch solch eine konservative Therapie kann ein Patient durchschnittlich etwa fünf Prozent des Ausgangsgewichts abnehmen. Doch das reicht bei Patienten mit massivem krankhaftem Übergewicht häufig nicht aus. Ihnen kann eine operative Schlauchmagenbildung oder eine sogenannte Magen-Bypass-Anlage helfen. Diese Operation wird meist über die Schlüssellochtechnik durchgeführt. Langfristig lassen sich so etwa 60-80 % des Übergewichtes verlieren.

Herr Kießling, in Europa sind etwa 30 % der Bevölkerung übergewichtig, mit steigender Tendenz. Schätzungen zufolge verursacht Adipositas für das europäische Gesundheitswesen Kosten in Höhe von 80 Millionen Euro pro Jahr. Wie versucht das deutsche Gesundheitssystem, dem entgegen zu wirken?

Zusätzlich zu der nationalen Diabetes-Strategie soll eine nationale Adipositas-Strategie folgen. Dazu gehören beispielsweise die Förderung des Schulsports sowie Mindestqualitätsstandards bei Schulmahlzeiten.

Dr. Tigges, abschließend die Frage: Wenn ich an krankhaftem Übergewicht leide; an wen kann ich mich wenden?

Patienten mit krankhafter Adipositas können einen Termin in der Adipositas-Sprechstunde (Adipositaszentrum Oberbayern) am Klinikum Landsberg am Lech über das Sekretariat der Chirurgie unter der Tel.-Nr. 08191/3331070 vereinbaren. Nähere Informationen zum Thema Adipositas finden Sie auch auf unserer Homepage unter: www. klinikum-landsberg.de

  


 
Ansprechpartner: Dr. med. Harald Tigges, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und Leiter des Adipositaszentrums Oberbayern am Klinikum Landsberg


 

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