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14.06.2019

Wann ist ein künstliches Gelenk sinnvoll?

Was ist Arthrose überhaupt? Wie kommt dieser schmerzhafte Gelenkverschleiß zustande? Und was kann man dagegen tun? Diese Fragen beschäftigen viele Menschen – besonders ältere. Und so waren zum Vortragsabend mit dem Thema „Arthrose – wann ein künstliches Gelenk sinnvoll ist" zahlreiche Betroffene ins Klinikum Landsberg gekommen, um Antworten von den Experten zu bekommen.

In der Reihe „Donnerstag im Klinikum" sprachen Dr. med Urs. M. Abker (Chefarzt der Chirurgischen Abteilung, Schwerpunkt Unfallchirurgie und Orthopädie" und Dr. med. Steffen Vennemann (Leitender Oberarzt der Chirurgischen Abteilung, Schwerpunkt Unfallchirurgie und Orthopädie) vor rund 90 Interessierten.

Der Arzt berichtet aus dem "Nähkästchen"

Sie erfuhren, dass Arthrose in allen Gelenken auftreten kann – dass meistens aber Hüfte und Knie betroffen sind, da diese Gelenke am meisten beansprucht werden. Dr. Abker berichtete hier aus dem „Nähkästchen" – er selbst habe mit Knieproblemen zu kämpfen und müsste deshalb eigentlich auf seine Lieblingssportarten Laufen und Bergwandern verzichten. Schwimmen, Radfahren oder Aquajogging seien ideale Sportarten für alle, die an Arthrose leiden, betonte auch Dr. Vennemann. Fußballer, Kraftsportler oder Squashspieler hätten dagegen oft Probleme mit den Gelenken.

Auch erhöhtes Körpergewicht spiele eine große Rolle. „Wir werden älter und schwerer, mehr Gewicht geht auch mehr auf die Gelenke. Und wir bewegen uns allgemein immer weniger", so Dr. Abker zu den weiteren Ursachen. Eine gesunde Ernährung und viel Bewegung seien daher äußerst wichtig. Auch Krankheiten wie Rheuma oder Gicht könnten zu Arthrose führen.

Die Folgen sind schlimm

Die Folgen seien für die Patienten schlimm. Schmerzen, Steifheit, Schwellungen, Fehlstellungen an den Beinen, Knirschen und Reiben der Gelenke bei Bewegung – oft beeinträchtige Arthrose die Lebensqualität und die Mobilität sehr stark. Dabei sei gerade für Arthrose-Patienten Bewegung äußerst wichtig, um die Muskulatur zu stärken und die Stabilität der Gelenke zu fördern.

Abker hatte auch Zahlen parat: zwischen 18 und 27 Prozent der Bevölkerung leiden unter Arthrose, - häufiger Frauen, da sie im Durchschnitt älter werden als Männer. Das große Ziel sei es, so Vennemann und Abker, die Schmerzen zu reduzieren und die Funktionalität der Gelenke wieder herzustellen.

Aber wie? Hierzu blickt Dr. Vennemann spaßeshalber ins Internet: „Gibt man bei Google ein: 'Arthrose – was wirklich hilft', bekommt man ungefähr 5 Millionen Ergebnisse. Und da ist sehr viel unseriöses dabei. Wenn ich das alles durchlesen würde, wäre ich mein ganzes Leben lang beschäftigt und müsste mir um die Arthrose keine Gedanken mehr machen." Weder Blutegel noch Wundersalben könnten etwas gegen den Gelenkverschleiß ausrichten, so Vennemann.

Absurde Meldungen aus dem Internet

Vor einem möglichen Gelenkersatz können angepasste sportliche Bewegung, physikalische Therapie, Bandagen oder auch die medikamentöse Therapie Linderung verschaffen. Mit antientündlichen Medikamenten (NSAR), Kortison und Hyaluronsäure habe man gute Erfahrungen gemacht. Eine Gelenkspiegelung hilft bei Meniskusrissen, freien Gelenkkörpern und rheumatisch bedingten Entzündungen der Gelenkkapsel.

Bei einer fortgeschrittenen Arthrose aber helfe nur noch der künstliche Gelenkersatz in Form einer Endoprothese (endo = innen). Vor einer solchen Operation müsse laut Dr. Vennemann genau abgewogen werden: Soll das neue Gelenk alltagstauglich sein oder will der Patient damit „einen Marathon laufen"? Ist der Patient motiviert? Denn das müsse er sein, nachdem die neue Prothese im Gelenk eingesetzt wurde, betonten die beiden Ärzte.

Sogar Sport ist wieder möglich

Je nach Gelenk gibt es unterschiedliche Arten von Endoprothesen. Welches Modell infrage kommt, hänge von vielen Faktoren ab. Ausführliche Untersuchungen und Gespräche mit den Patienten seien das A und O. Abker und Vennemann informierten ausführlich über die verschiedenen Modelle und Möglichkeiten und gingen sehr intensiv auf die zahlreichen Fragen der Vortragsbesucher ein.

Die meisten Menschen kämen mit einem künstlichen Hüft-, Knie- oder Schultergelenk gut zurecht. Inzwischen bieten immer kleinere Implantate und minimal-invasive Zugänge den Betroffenen eine schonendere Operation, eine kürzere Rehabilitation und einen langen Behandlungserfolg. Viele Patienten könnten nach einer Operation wieder schmerzfrei gehen und wieder moderat Sport treiben.

Mit vor Ort, um auf die Fragen der Besucher einzugehen, war Fachärztin Dr. Ann Kathrin Schnetkamp. Seit 2014 hat das Klinikum Landsberg die Anerkennung und Zertifizierung als EndoProthetikZentrum® (EPZ). Leiter ist Dr. Steffen Vennemann, Dr. Schnetkamp ist die EPZ-Zentrumskoordinatorin.

 


 

 

Ansprechpartner: Dr. med. Urs M. Abker Chefarzt der Chirurgischen Abteilung, Schwerpunkt Unfallchirurgie und Orthopädie

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