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16.11.2017

Besser Bescheid wissen über Parkinson

Vor 200 Jahren, im Jahr 1817, beschrieb der Arzt und Apotheker Dr. James Parkinson erstmals die charakteristischen Beschwerden einer Krankheit, die er als „Schüttellähmung“ bezeichnete. Später benannte man sie nach ihm: Morbus Parkinson (Morbus = lateinisch für Krankheit).

Parkinson: In einem Teil des Gehirns sterben Nervenzellen ab

Parkinson ist eine Erkrankung des Nervensystems, die Bewegungsstörungen zur Folge hat. Ärzte sprechen von einer neurodegenerativen Erkrankung. Das bedeutet, dass in einem Teil des Gehirns Nervenzellen absterben. Wissenschaftler forschen noch nach den Ursachen, die bis heute nicht völlig geklärt sind. Oft vergehen Jahre vom Zeitpunkt der ersten Beschwerden bis zur Diagnose. Denn viele Betroffene führen die Anzeichen auf andere Gründe zurück.

Nicht jeder, der die typischen Beschwerden einer Parkinson-Krankheit hat, ist tatsächlich an Morbus Parkinson erkrankt. Durchblutungsstörungen des Gehirns oder Medikamente können ähnliche Symptome hervorrufen. Das bedeutet, die Beschwerden sind Folge einer anderen bekannten Störung oder Erkrankung. Mitunter können auch sogenannte Multi-System-Erkrankungen des Gehirns mit Abbauprozessen von Nervenzellen einhergehen, wobei Symptome der Parkinson-Krankheit auftreten.

Betroffen: Schauspieler Michael J. Fox und Boxlegende Muhammad Ali

Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste degenerative Nervenerkrankung. Die Häufigkeit variiert je nach Land und Region, sie trifft 18 bis 194 Menschen pro 100.000 Einwohner. Schätzungen zufolge sind allein in Deutschland 200.000 bis 300.000 Menschen betroffen; Männer und Frauen etwa zu gleichen Teilen. Weltweit sind es zwei Millionen, unter ihnen Schauspieler Michael J. Fox und die im vergangenen Jahr verstorbene Boxlegende Muhammad Ali.

Im Durchschnitt tritt die Erkrankung im Alter von 55 Jahren auf. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, steigt mit dem Alter. Von den über 80-Jährigen sind zwei bis drei Prozent der Menschen von Parkinson betroffen.

Symptome: Menschen mit Parkinson haben unterschiedliche Beschwerden

Experten unterscheiden vier Hauptsymptome, die sich meist über mehrere Jahre entwickeln. Nicht alle Patienten haben sie in gleichem Ausmaß. Einzelne Symptome können sogar fehlen oder im Verlauf der Erkrankung variieren:

  • Bewegungsverarmung (Akinese): Betroffene bewegen sich weniger geschmeidig, oft ist nur eine Körperseite betroffen. Später fällt es ihnen immer schwerer, Bewegungen, die sie machen wollen, sofort einzuleiten. Manchmal stoppen sie mitten in einer Bewegung, so als wären sie „eingefroren“.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Sie äußert sich oft als schmerzhafte Verspannung, zum Beispiel in Oberarm oder Schulter. Betroffene verwechseln sie manchmal mit orthopädischen Beschwerden.
  • Zittern (Tremor): Viele bemerken ein charakteristisches Zittern, dieser sogenannte Ruhetremor betrifft vor allem die Hände. Meist ist das Zittern auf einer Seite stärker ausgeprägt als auf der anderen.
  • Störung der Halte- und Stellreflexe (Posturale Instabilität): Betroffene haben eine nach vorn gebeugte Haltung und herunterhängende Schultern. Beim Gehen schwingen die Arme nicht mehr mit. Später wird der Gang langsamer, kleinschrittig und schlurfend.

Ärzte stützen sich vor allem auf die Krankheitsgeschichte des Betroffenen und die körperliche Untersuchung, um Morbus Parkinson zu diagnostizieren. Auch fragen sie nach Vorerkrankungen und neurologischen Erkrankungen in der Familie. Wichtige Aspekte der Krankheitsgeschichte sind: Beginn und Art der Beschwerden, die betroffene Körperseite (anfangs nur eine oder beide) sowie Begleitsymptome, zum Beispiel Blasenschwäche oder Depression.

Behandlung: Medikamente spielen in der Behandlung die wichtigste Rolle

Bis heute lässt sich Parkinson nicht heilen, doch gibt es wirksame Behandlungen, die die Beschwerden lindern. Medikamente spielen dabei die wichtigste Rolle. Sie bekämpfen die Symptome auf unterschiedliche Art und Weise. Meist beginnen Ärzte mit einem Medikament und kombinieren es später, falls nötig, mit weiteren Medikamenten. Welche Wirkstoffe sie anwenden, hängt vom Alter und den Bedürfnissen des Patienten ab sowie dem Stadium der Erkrankung.

Neben den Medikamenten ist Krankengymnastik ein wichtiges Standbein der Parkinson-Behandlung. Sie trägt zum Erhalt der Beweglichkeit bei. Hinzu kommen Sprech- und Schlucktherapie (Logopädie) sowie Ergotherapie, um Alltags- und berufliche Fähigkeiten zu erhalten. Bei Bedarf veranlassen Ärzte eine geriatrische oder neurologische Rehabilitation.

Leben mit der Krankheit: Parkinson wirkt sich auf Beruf, Familie und Freizeit aus

Parkinson wirkt sich auf viele Bereiche des Lebens aus, egal ob es um Beruf, Partnerschaft und Familie oder Freizeit geht. Wichtig ist, sich ausführlich über die Krankheit zu informieren und eine gute ärztliche Begleitung zu suchen. Ratsam ist, sich nicht nur über medizinische, sondern auch über sozialrechtliche Fragen zu informieren. Zahlreiche Institutionen, Verbände und Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen dabei Hilfe und Unterstützung an.


 

Autor: Dr. med. Peter Schneiderat, Oberarzt der Abteilung Innere Medizin, Facharzt für Neurologie, Zusatzbezeichnungen Palliativmedizin und Notfallmedizin

 

 

 


 

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